Das Kameramikrofon ist für die Gelübde zu weit weg
Jede Kamera hat ein eingebautes Mikrofon. Bei einer Trauung steht die Kamera aber mit Abstand zum Paar, damit sie die Zeremonie nicht stört. In der Pfarrei St. Barbara in Stolberg-Breinig etwa filmt der Videograf von der Orgelbühne aus, denn im Kirchenraum sind Stative nicht erlaubt. Von dort nimmt ein Kameramikrofon vor allem den Raum auf und kaum die leisen Worte am Altar.
Der Ton entsteht deshalb dort, wo gesprochen wird. Ein kleines Mikrofon am Körper oder ein Rekorder am Pult nimmt die Stimme aus der Nähe auf. Der Videograf legt diese Tonspur später im Schnitt unter das Bild.
Wie lange die Aufnahme laufen muss, hängt an der Trauung. Im Standesamt Hamburg-Wandsbek dauert sie etwa 20 Minuten, eine evangelische Trauung nach Angaben der EKD in der Regel 25 bis 60 Minuten. Ein Funkmikrofon wie das Wireless GO II des Herstellers Røde läuft nach dessen Angaben bis zu 7 Stunden mit einer Akkuladung.
Ein Akku reicht also für Trauung und Reden, aber nicht unbedingt für einen ganzen Tag. Fragen Sie den Videografen, wann er die Mikrofone auflädt oder wechselt.
3 Wege, wie der Ton ins Hochzeitsvideo kommt
1. Ein Ansteckmikrofon nimmt die Gelübde auf
Ein Ansteckmikrofon ist ein kleines Mikrofon mit Klammer, das an der Kleidung sitzt. Bei der Trauung kann es einer von Ihnen tragen oder die Person, die Sie traut. Ein Funksender schickt den Ton an die Kamera oder an einen Empfänger. Beim Wireless GO II von Røde wiegt ein Sender weniger als 32 Gramm.
Røde rät, das Mikrofon mitten auf die Brust über das Brustbein zu setzen. Dort ist es nah am Mund und klingt trotzdem natürlich. Kopfüber in der Klammer befestigt, fängt es weniger Ploppen bei Lauten wie P, T und B ein. Bei Wind im Freien gehört ein Fellschutz darüber.
Manche Funkmikrofone speichern den Ton zusätzlich im Sender selbst. Beim Wireless GO II fasst dieser Speicher mehr als 40 Stunden. Reißt die Funkverbindung ab, bleibt der Ton trotzdem erhalten.
2. Ein Rekorder am Rednerpult nimmt Lesungen und Reden auf
Ein kleiner Rekorder liegt am Rednerpult oder am Lesepult in der Kirche. Er nimmt auf, wer dort spricht, etwa Trauzeugen bei einer Lesung oder die Rednerin einer freien Trauung. Der Rekorder braucht keine Funkverbindung und läuft unabhängig von der Kamera. Der Videograf startet ihn vor Beginn und legt die Aufnahme später unter das Bild.
3. Das DJ-Pult liefert die Reden auf der Feier
Sprechen Gäste auf der Feier ins Mikrofon von DJ oder Band, läuft ihr Ton durch dessen Mischpult. Ein DJ-Mischpult wie das Pioneer DJM-A9 hat dafür einen eigenen Ausgang zum Anschluss eines Aufnahmegeräts. Er heißt REC OUT, und laut Anleitung läuft der Ton des Mikrofons dort in der Werkseinstellung mit.
Abgriff heißt, dass der Videograf diesen Ausgang per Kabel an seinen Rekorder anschließt. So kommt die Rede direkt aus dem Mikrofon in den Film, ohne den Hall des Saals. Der DJ muss dafür zustimmen und den Ausgang frei haben.
Läuft zur selben Zeit Musik, ist sie auf der Aufnahme mit drauf. Klären Sie dann, ob der Film so online darf, denn für Musik im Hochzeitsvideo gelten eigene Rechte.
Standesämter regeln Ton und Film sehr verschieden
Ob Sie die standesamtliche Trauung filmen und ihren Ton aufnehmen dürfen, entscheidet das Standesamt, oft die Standesbeamtin oder der Standesbeamte selbst. Beim Ton kommt zu den Regeln für das Fotografieren bei der Trauung etwas hinzu, nämlich das gesprochene Wort der Person, die traut. Vier Standesämter zeigen, wie verschieden das geregelt ist.
| Standesamt | Regel für Film und Ton |
|---|---|
| Köln | Filmen nur mit vorheriger Zustimmung des Standesamts. Die Person, die traut, hat ein Recht am eigenen Bild und am gesprochenen Wort. |
| Nürnberg | Filmen grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme ist nach Absprache am Hochzeitstag möglich. |
| Herzberg am Harz | Die Ansprache der Standesbeamtin darf nicht gefilmt werden, Ja-Wort und Ringtausch schon. |
| Haßfurt | Fotografieren und Filmen grundsätzlich erlaubt, Bild- und Tonaufnahmen nur als persönliche Erinnerung. |
Köln begründet seine Regel mit dem Recht am gesprochenen Wort. Die Person, die traut, entscheidet also mit, ob ihre Ansprache aufgenommen wird. Ein Ansteckmikrofon an ihr geht ohnehin nur mit ihrem Einverständnis, weil sie es tragen muss.
Ton in der Kirche braucht eine Absprache vorher
In der Kirche legt die Gemeinde fest, ob und wie gefilmt wird. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck wendet ihre Regeln für Bildaufnahmen ausdrücklich auch auf Tonaufnahmen an. Ein Mikrofon am Altar braucht also dieselbe Absprache wie eine Kamera, und zwar rechtzeitig vor dem Gottesdienst.
Steht die Kamera wie in Stolberg-Breinig auf der Orgelbühne, hängt der Ton ganz am Mikrofon vorn. Dort müssen die Kameras außerdem während der Eucharistiefeier aus sein. Fragen Sie Pfarrerin oder Pfarrer deshalb gezielt nach dem Ton.
- Darf die Person, die traut, ein Ansteckmikrofon tragen?
- Darf ein Rekorder auf dem Lesepult liegen?
- Darf der Videograf den Ton der Lautsprecheranlage der Kirche abnehmen?
- Wann müssen Kamera und Mikrofon aus sein?
7 Punkte für guten Ton am Hochzeitstag
Guter Ton entsteht vor allem in den Absprachen vor der Hochzeit. Diese sieben Punkte gehen Sie am besten gemeinsam mit dem Videografen durch.
- Klären Sie mit Standesamt oder Kirche, ob Ton aufgenommen werden darf und wer ein Mikrofon tragen darf.
- Geben Sie dem Videografen Namen und Telefonnummer des DJs, damit beide das Kabel vorher absprechen.
- Legen Sie fest, wer von Ihnen das Ansteckmikrofon trägt, und wählen Sie Kleidung, an der ein kleiner Sender Platz hat.
- Bitten Sie alle, die eine Rede halten, direkt ins Mikrofon zu sprechen.
- Bitten Sie die Gäste, ihre Handys vor der Trauung auszuschalten.
- Planen Sie bei einer Trauung im Freien einen Fellschutz gegen Wind ein.
- Fragen Sie, ob der Videograf den Ton doppelt aufnimmt, etwa im Sender und in der Kamera.
Häufige Fragen
Wie kommt der Ton der Gelübde ins Hochzeitsvideo?
Der Ton der Gelübde kommt über ein Ansteckmikrofon ins Hochzeitsvideo, das einer von Ihnen oder die Person, die traut, am Körper trägt. Das Mikrofon der Kamera steht mit Abstand zum Paar und nimmt vor allem den Raum auf. Ein Rekorder am Rednerpult kann zusätzlich aufnehmen.
Darf man die Rede der Standesbeamtin bei der Hochzeit aufnehmen?
Die Rede der Standesbeamtin dürfen Sie nur aufnehmen, wenn das Standesamt zustimmt. Das Standesamt Köln weist darauf hin, dass die Person, die traut, ein Recht am gesprochenen Wort hat. In Herzberg am Harz darf die Ansprache gar nicht gefilmt werden, Ja-Wort und Ringtausch dagegen schon.
Wo befestigt man ein Ansteckmikrofon bei der Hochzeit?
Ein Ansteckmikrofon sitzt bei der Hochzeit am besten mitten auf der Brust, über dem Brustbein. Das empfiehlt der Mikrofonhersteller Røde, weil es dort nah am Mund ist und natürlich klingt. Bei Wind im Freien braucht es zusätzlich einen Fellschutz.
Kann der Videograf die Reden auf der Hochzeitsfeier über das DJ-Pult aufnehmen?
Ja, der Videograf kann die Reden auf der Hochzeitsfeier über das DJ-Pult aufnehmen, wenn der DJ zustimmt. Er schließt dazu einen Rekorder an den Aufnahmeausgang des Mischpults an. Beim Pioneer DJM-A9 heißt dieser Ausgang REC OUT und führt in der Werkseinstellung auch den Ton des Mikrofons.
Wie lange hält der Akku eines Funkmikrofons bei der Hochzeit?
Der Akku eines Funkmikrofons hält je nach Modell einige Stunden. Für das Wireless GO II nennt der Hersteller Røde bis zu 7 Stunden. Das reicht für Trauung und Reden, für einen ganzen Tag muss der Videograf zwischendurch laden.
